Wie Textvertonungen in der Wirtschaft entstehen

Verfasst von: Marion Wolters
Wenn man den Titel "Wie Textvertonungen in der Wirtschaft entstehen" liest, fragt man sich vielleicht, wozu es überhaupt als notwendig erachtet werden sollte, dass man Texte vertont. In welchen Zusammenhängen reicht die Kraft der geschriebenen Wörter aus? Entspricht deren Vertonung nicht eher einem Zusatz, den man sich nur in wirtschaftlich guten Zeiten leistet? Wie wird eine kreative Spannung geschaffen, in der Textvertonungen entstehen und Mitarbeitende zu Mehrleistungen motiviert werden?

Die Problemlösung für ein gesellschaftlich relevantes Problem oder ein tolles Produkt. Die Ideen für die Vermarktung quellen über. Der Spass, diese zu generieren soll sich auch in den Marketingtexten widerspiegeln. In welcher Sprache lässt sich die Kraft der Ideen bestmöglich ausdrücken? Als Texterin erhält man den Auftrag, verschiedene Arten von Texten zu schreiben und wird bei der Auswahl beratend hinzugezogen. "Ein reiner Infotext wäre perfekt, ist aber zu langweilig für die Zielgruppe. Wie bekommen wir die wichtigen Infos dennoch transportiert? Stimmt es, dass Sie als Texterin auch Texte vertonen?"

Ihre Auftraggebenden planen eine Lesung. Das Budget ist begrenzt. Der Auftrittsort ist für sein dynamisches Publikum bekannt, das sich zwischenzeitlich Getränke und Gerichte selbst holt. Sich inspirierende Texte nicht nur vortragen lässt, sondern anschließend kauft. Wie schafft man es, soviel Aufmerksamkeit zu erzeugen, dass alle Anwesenden so gespannt zuhören als würde gerade ihre nächste Lohnerhöhung bekanntgegeben? Als Texterin schreibt man einen Text nach den Vorgaben der Auftraggebenden, lässt sich den Text von ihnen absegnen. Dann packt man ihn in eine rhythmische Form, vertont ihn und lässt ihn von den Auftraggebenden vorsingen, während man selbst im verblüfften Publikum sitzt und Stecknadeln fallen hören könnte. "Dies ist doch eine Lesung, oder?"

Wo werden all diese Ideen generiert? Es gibt unzählige Konzepte, die den Schaffensprozess erklären. Nehmen wir hier der Urgrund des Seins an. Der Urgrund des Seins ist weniger ein theologisches Konzept noch bezieht es sich auf die Vorstellungen des chinesischen Daoismus oder westlicher Philosophien. Es wird hier einfach als das Ungeschaffene definiert. Wem das zu wenig ist, der kann noch die Vorstellung hinzunehmen, dass dies alles Sichtbare und Unsichtbare wie Gedanken und Gefühle einschließt. Wer noch mehr Inhalt hinzufügen möchte, dem sei die Theorie der Unabhängigkeit des Urgrund des Seins von der materiellen Welt angeboten. Aus dieser Quelle kann man neben Ideen auch alle Realitäten schaffen, die man schaffen möchte.

Wie wäre es, wenn man verschiedene Seinsqualitäten in der Realität etablieren würde, die man sonst weniger lebt? Ein CEO, der seinen nächsten Kariereschritt auf einem anderen Kontinent plante, stellte sich einen originellen, kreativ-musikalischen Abschied vor. Wenn man als Texterin einen Songtext kreieren soll, bestellt man einige seiner musikalisch begabten Mitarbeitenden in einen abgelegenen Bespechungsraum. Einschließlich des CEOs, der seine alte, verbeulte Gitarre mitgebracht hat und bei den ersten Versuchen etwas verlegen murmelt, dass er in den nächsten Wochen mehr üben würde und verspricht, besser zu werden.

Das schafft er auch. Er schafft es auch, dass sich seine musikalischen Mitarbeitenden sehr auf die wöchentlichen zwei Stunden am Freitagmittag freuen und den Schwung der Sessions mit in die Arbeit nehmen. Eine für sie neue Seinsqualität zu etablieren, die auf das ganze Team ausstrahlt: als Texterin stellt man mit seinem Duettkollegen eine Strophe vor. Der Schlagzeuger probiert einen Rhythmus dazu zu spielen. Die Bassistin fragt, ob das Absicht sei, dass die Texte im britischen Englisch ausgesprochen werden. Sollten sie nicht passender im Stil der US-Amerikaner artikuliert werden? Eine kurze Diskussion entsteht.

Zwischen den schon vertonten Zeilen fallen der Texterin neue Strophen ein, die spontan und wie im Fluge vertont werden. Die musikalischen Mitarbeitenden werfen ihre Ideen ein, sie lernen alle voneinander und verbessern sich spielerisch. "Du hast doch auch eine Gesangsausbildung", fällt dem Schlagzeuger ein. Die Texterin nickt und singt den Refrain jeweils in einer Rap-, Pop-, Musical- und Reggieversion, in die die Musizierenden einstimmen. Sie bereichern sich gegenseitig, finden neue Ausdrucksformen, vergessen die Zeit. Sie beginnen auch nach Feierabend an ihre Musik zu denken und darüber zu sprechen. Sie so sehr zu mögen, dass sie sich auch in der Woche nach Feierabend treffen und die beste Band des Unternehmens werden.https://www.bod.de/buchshop/seinsqualitaet-marion-wolters-9783755712091