Bescheidenheit - Neudefinition eines ambivalenten Begriffes

Verfasst von: Marion Wolters
"Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig". Albert Einstein. Man könnte dieses Zitat als Bescheidenheit deuten. Oder entspricht es einfach nur der Realität? Wie interpretieren Sie Bescheidenheit für Ihr Leben als z.B. kreativer Mensch? Werden Sie nicht mehr wahrgenommen, wenn sie bescheiden sind und verhindert Bescheidenheit somit nicht auch Ihren beruflichen Erfolg? Nachfolgend wird versucht, diesen ambivalenten Begriff neu zu definieren.

Als kreativer Mensch, der ein Produkt erzeugt oder eine Dienstleistung anbietet, fragt man sich, welche Gedanken und Gefühle man beim Kunden erzeugen möchte. Da man sich seiner Verantwortung z.B. als Autor bewusst ist, überlegt man nicht nur, wer der Adressat ist, sondern auch, welche Themen man präsentiert, damit man eine Verbindung zur geplanten Zielgruppe erzeugt. Um dann den Fokus auf Themen zu lenken, für die der Kunde bereit ist zu zahlen oder für den man mit dem neu verfassten Text Geld verdient. Wie schafft man das?

Indem man den Leser Erfahrungen machen lässt, Texte erfahrbar macht. So kann man alle fünf Sinne einbeziehen und den Leser experimentieren lassen. Wie stellt man sich den Geruch von Selterswasser vor, wenn es ihn gäbe? In einer Textausstellung bietet man Düfte an und bittet das Publikum, für sich selbst zu entscheiden, welcher Geruch der eigenen Vorstellung entspricht. Was ist in den Köpfen des Publikums wirklich passiert? Man hat ein Stück von sich selbst gegeben und das Publikum hat die Einladung angenommen, selbst auch ein Stück von sich selbst zu geben, indem die Menschen an dem Experiment teilnahmen.

Zudem hat man dem Publikum einen Denk- und Experimentierraum angeboten, anders zu denken. Die Möglichkeit gegeben, ein neues Thema kennenzulernen und es im eigenen Leben als Bereicherung zu integrieren. Man hat Gefühle der Begeisterung und nicht zuletzt auch Dankbarkeit erzeugt, die dazu geführt haben, dass das Publikum das Produkt oder die Dienstleistung unbedingt haben wollte und auch einen finanziellen Erfolg erzielt. Vielleicht hat man jemandem aus höchst unterschiedlichen Gründen einige unvergessliche Stunden geschenkt, einen Neuanfang bewirkt etc. All dies wird man in den meisten Fällen erst zu einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht erfahren. Wenn dies kein Grund ist, stolz zu sein, oder?

Nehmen wir einmal an, dass ein Großteil der eigenen Gedanken durch frühere und aktuelle soziale, globale, kulturelle und viele andere Prägungen gelenkt wird. Dass viele Gedanken, die heute in Ihrem Kopf verweilen, sich morgen verändert haben, nicht mehr existieren oder keine Bedeutung mehr haben. Ist dann nicht Bescheidenheit gegenüber den eigenen Ideen angebracht? Wenn man als Übersetzerin von einem amerikanischen Verleger für die eigene Sprachkraft gelobt wird und eine jugendliche Schülerin nach dem eigenen Vortrag eine unglaublich gute Übersetzung schüchtern präsentiert, wieviel Stolz bleibt dann? https://www.brainguide.de/Marion-Wolters#publikationen